An der Domschule wächst eine smartphonefreie Klasse.
Miteinander lernen leben. Dieser Gedanke der Schulstiftung Bistum Osnabrück prägt auch unseren Alltag an der Domschule. Schule ist für uns mehr als ein Ort des Lernens. Sie ist ein Lebensraum:
Kinder schließen Freundschaften, streiten und versöhnen sich, lachen miteinander, übernehmen Verantwortung und wachsen aneinander .
Damit das gelingen kann, brauchen Kinder vor allem eines: einander.
Deshalb haben sich die Familien einer unserer neuen Klassen gemeinsam auf einen besonderen Weg gemacht: 24 Schülerinnen und Schüler starten an der Domschule ohne eigenes Smartphone.
Nicht gegen Technik. Sondern für Kindheit.
Smartphones gehören zu unserer Welt. Kinder sollen lernen, digitale Medien kompetent und verantwortungsvoll zu nutzen. Aber nicht alles, was später selbstverständlich sein wird, muss schon möglichst früh beginnen.
Ein eigenes Smartphone verändert den Alltag von Kindern. Messenger, soziale Netzwerke, Spiele und die ständige Erreichbarkeit können Aufmerksamkeit beanspruchen und einen sozialen Druck erzeugen, dem sich Einzelne nur schwer entziehen können. Gleichzeitig brauchen gerade die ersten Jahre an einer weiterführenden Schule Raum für etwas anderes: für persönliche Begegnungen, Bewegung und Langeweile, für Konzentration, Kreativität und das unmittelbare Erleben von Gemeinschaft.
Die Elterninitiative Smarter Start formuliert einen Gedanken, den wir deshalb gerne aufgreifen: Kinder brauchen Schutz vor digitaler Überforderung – und Eltern brauchen dabei Gemeinschaft und gegenseitigen Rückhalt. SmarterStart Flyer.pdf
Gemeinsam wird aus Verzicht ein Gewinn
Entscheidend ist dabei das Miteinander. Wenn ein einzelnes Kind kein Smartphone besitzt, kann das schwierig sein. Wenn eine ganze Klassengemeinschaft diesen Weg gemeinsam geht, verändert sich die Situation.
Dann muss niemand Angst haben, in der Klassengruppe etwas zu verpassen. Niemand muss mithalten, weil „alle anderen schon eins haben“. Und Eltern müssen diese Entscheidung nicht allein gegenüber ihren Kindern vertreten.
So entsteht Freiheit: Die Freiheit, noch ein Stück länger Kind sein zu dürfen.
Unsere smartphonefreie Klasse ist deshalb kein Verbot, das die Schule ihren Familien auferlegt. Sie ist eine freiwillige gemeinsame Entscheidung von Eltern und Kindern, die wir als Schule unterstützen und wertschätzen.
Der Mensch im Mittelpunkt
Dieser Weg passt zu dem, was wir als katholische Schule sein möchten. Das christliche Menschenbild erinnert uns daran, den Menschen nicht danach zu beurteilen, was er besitzt, leistet oder darstellt. Jeder Mensch ist wertvoll und einzigartig – und jeder junge Mensch verdient Bedingungen, unter denen er sich frei und geschützt entwickeln kann.
Die Schulstiftung beschreibt ihre Schulen als Gemeinschaften, in denen Beziehungen „persönlich, zugewandt und auf Augenhöhe“ gestaltet werden und Verantwortung füreinander übernommen wird. Christliche Werte sollen dabei Halt geben und zu einer persönlichen Auseinandersetzung einladen – „ohne Zwang, aber mit Tiefgang“ schulstiftung-os.de.
Genau in diesem Sinne verstehen wir auch unseren Versuch einer smartphonefreien Klasse: Nicht als Vorschrift, sondern als Einladung. Nicht aus Angst vor der digitalen Welt, sondern aus Verantwortung für junge Menschen.
Wir sind gespannt, was wächst
Unsere 24 Schülerinnen und Schüler dürfen nun zunächst ohne eigenes Smartphone in ihre Zeit an der Domschule starten. Wir möchten beobachten, zuhören und gemeinsam mit Kindern und Eltern Erfahrungen sammeln.
Vielleicht entstehen dadurch mehr Gespräche auf dem Schulweg. Mehr Verabredungen von Angesicht zu Angesicht. Mehr ungestörte Nachmittage. Vielleicht auch einmal Langeweile – aus der etwas ganz Neues entsteht.
Vor allem wünschen wir uns, dass unsere Schülerinnen und Schüler erfahren:
Ich muss nicht ständig erreichbar sein, um dazuzugehören.
Ich muss nichts posten, um gesehen zu werden.
Und Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen einander wirklich begegnen.
Das ist für uns „Miteinander lernen leben.“
Und manchmal bedeutet das eben auch:
Erst Kindheit. Dann Smartphone.