Übergang

Die Gestaltung des Übergangs von der Grundschule auf die weiterführende Schule, dargestellt am Beispiel der Domschule Osnabrück


Voraussetzungen der Schule

Die Domschule Osnabrück ist eine Oberschule in Trägerschaft der Schulstiftung im Bistums Osnabrück und liegt im Zentrum der Stadt Osnabrück. Derzeit besuchen etwa 920 Schülerinnen und Schüler die Schule und werden von 85 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet.
„Gemeinsam – individuell – werteorientiert“ – so lautet das Motto der Domschule. Gemeinsam Lern- und Lebenserfahrungen in einer großen Schulgemeinschaft sammeln und gleichzeitig jeden entsprechend seiner ganz individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten zu fördern und zu fordern, das sind die Leitgedanken, nach denen die Domschule ihr jahrgangsbezogenes Oberschulkonzept erarbeitet hat. Werteorientierung erleben die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Heterogenität auf der Basis eines christlich geprägten Menschenbildes, das im Schulleben in vielfältiger Weise seinen Ausdruck findet.


Die besondere Bedeutung der Übergangsgestaltung

Die Domschule hat kein festes Einzugsgebiet, sondern ist darauf angewiesen, dass Eltern die Domschule als weiterführende Schule für ihre Kinder wählen. So kommt etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Stadtgebiet Osnabrücks. Die andere Hälfte der Schülerschaft wohnt in den Landkreisgemeinden rings um Osnabrück. Das bedeutet, dass sich Schülerinnen und Schüler aus etwa 40 Grundschulen im 5. Jahrgang an der Domschule ganz neu zusammenfinden müssen. Insgesamt werden in jedem Schuljahr etwa 150 Schülerinnen und Schüler aufgenommen, die in 6 Klassen aufgeteilt werden.
Aufgrund dieser Zusammensetzung hat die Domschule es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, einen besonderen Schwerpunkt auf die Gestaltung des Übergangs von der Grundschule zur Domschule zu legen, um ein schnelles Einleben und gelingende Klassengemeinschaften zu entwickeln.


Gemeinsame Vorbereitungen des Teams Jahrgang 5

Damit alle Schülerinnen und Schüler einen vergleichbaren Einstieg erleben und den unterschiedlichen Erfahrungs- und Arbeitsvoraussetzungen begegnet werden kann, wird der Übergang von der Grundschule zur Domschule gemeinsam im Team der Klassenlehrer und Co- Klassenlehrer des 5. Jahrgangs bereits mehrere Monate vor der Einschulung organisiert und vorbereitet. Stattgefunden haben bis zu diesem Zeitpunkt bereits ein Informationsabend für die Eltern, der Tag der offenen Tür sowie die Beratungsgespräche für Eltern.
Dieses gemeinsame Planen hat gleichzeitig den Effekt, dass diese Gruppe von Lehrern sich als Jahrgangsteam versteht. Jeder kann seine Ideen in die bestehende Grundstruktur des Übergangs einbringen und mitgestalten. So ergänzen sich die Erfahrungen der älteren Kollegen mit den Ideen der jüngeren von Anfang an. Das so gestaltete Miteinander erleichtert Absprachen, Austausch oder Teamarbeit im weiteren Verlauf der Schuljahre.


Kennenlernnachmittag vor den Ferien

Bereits kurz vor den Sommerferien werden die neuen Fünftklässler zu einem Kennenlernnachmittag gemeinsam mit ihren Eltern eingeladen.
Aufgeregt versammeln sich alle neuen Schülerinnen und Schüler, denn nach einer Begrüßung erfahren sie, wer nach den Ferien ihre neuen Klassenkameraden sein werden.

Gemeinsam gehen die Kinder mit ihrem Klassenlehrerteam und den Eltern in den zukünftigen Klassenraum. Nach einer kurzen Begrüßung werden die Eltern „entlassen“, um sich in der Cafeteria bei Kaffee und Kuchen auszutauschen und erste Kontakte zu knüpfen. Da jede Klasse durch eine eigene Farbe symbolisiert wird– die Eltern tragen einen entsprechenden Klebepunkt, den sie auf ihrer Kleidung befestigen -, erkennen Schüler wie auch Eltern leicht, wer zu ihrer Klasse gehört.
Nach etwa einer Stunde kommen die Paten aus den höheren Klassen in die jeweiligen Klassenräume, stellen sich vor und führen anschließend die „Neuen“ über das Schulgelände und durch die Gebäude. Während dieses Rundganges haben nun wiederum Klassenlehrer und Co-Pilot die Gelegenheit, sich in der Cafeteria mit „ihren“ Eltern zu unterhalten und Fragen zu beantworten.
Neben dem Kennenlernen bietet dieser Tag auch den Lehrern auch die Möglichkeit, noch die eine oder andere Frage zu klären, damit der Schulanfang nach den Ferien reibungslos beginnen kann.


Paten aus den höheren Klassen

Pate werden – ein sehr begehrtes Amt für die älteren SchülerInnen an der Domschule. Es hat sich bewährt, dass die Klassenlehrer der neuen fünften Klasse ihnen bekannte Schüler und Schülerinnen aus 8. oder 9. Klassen wählen. Jede neue 5. Klasse bekommt 6 – 8 Paten zugewiesen. Diese Paten sind bereits am Kennenlernnachmittag anwesend. Am Schulanfang treffen sie „ihre Kleinen“ im Einschulungsgottesdienst wieder. An den ersten beiden Schultagen unterstützen sie die Klassenlehrer beim Verteilen und Beschriften der neuen Schulbücher, begleiten die Kleinen in die Pause, damit sie auf dem Schulhof mit so vielen Schülern vertraute Personen um sich haben. Sie begleiten die Fünftklässler auch nach Unterrichtsende zum Schulbus. Die meisten unserer Schülerinnen und Schüler müssen durch die Fußgängerzone gehen, um ihren Bus zu erreichen. Hier die richtigen Wege zu finden, ist gerade für die Kinder aus dem Landkreis während der ersten Tage nicht ganz einfach. Von den Paten begleitet fühlen sie sehr schnell sehr sicher.


Einschulungsfeier

Der Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule, oft verbunden mit einem Wechsel vom Dorf in die Stadt, ist für die SchülerInnen wie auch für die Eltern ein entscheidender Schritt.

Der Einschulungstag beginnt um 9.00 Uhr mit einem Wortgottesdienst. Das Thema dieses Gottesdienstes ist immer so angelegt, dass es Vertrauen bei den Kindern aufbauen und ihnen Sicherheit geben soll: „Alle in einem Boot“, „Unter Gottes Schutz und Schirm“, „Geborgen in Gottes Hand“, Sei behütet auf deinen Wegen“. An dieser Feier nehmen auch die Paten teil, die den Schülern ja bereits durch den Kennenlernnachmittag vertraut sind. Der Gottesdienst, mitgestaltet von Schülern und Lehrern, endet mit einem gemeinsamen Foto aller Fünftklässler, ihrer Paten und Lehrer – ein Foto mit etwa 200 Personen, das schon aufgrund der Enge ein Wir-Gefühl aufkommen lässt. Schnell ins Internet gestellt können die Kinder nachmittags schon dieses Foto sehen.
In der Regel erhalten die Kinder am Ende des Gottesdienstes ein zum Thema passendes Symbol (Murmel, Stein, Muschel, Schirmchen). Manchmal tauchen diese Einschulungserinnerungen dann bei den Abschlussprüfungen Ende Klasse 10 in den Federmappen der Schüler als „Glücksbringer“ und Schulzeitbegleiter wieder auf.


Nach dem Gottesdienst gehen Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam in den mit Namensschildern vorbereiteten Klassenraum, den die Kinder ja ebenfalls bereits kennen. Sie durchschreiten dabei ein Spalier der Sechstklässler, die den Weg mit begeisterten Begrüßungs- Laola-Wellen begleiten.


Nach einer kurzen Information durch den Klassenlehrer werden die Eltern entlassen und können die Wartezeit wieder nutzen, um in der Cafeteria mit den anderen Eltern in Kontakt zu kommen. Außerdem haben die Eltern die Möglichkeit, aus dem Angebot des Umweltshops der Domschule die Schulmaterialien zu kaufen, die auf der Materialliste, die sie an diesem Tag erhalten haben, kaufen.
Die Schülerinnen und Schüler erhalten während dieser Zeit ihren Stundenplan, den „Durchblicker“ (s.7.), den Schülerplaner – ein schulinternes Hausaufgabenheft – weitere Informationen und beenden die Stunde mit Kennenlernspielen.


Die ersten Tage beim Klassenlehrer

Am zweiten und dritten Schultag findet der Unterricht ausschließlich beim Klassenlehrer und dem Co-Piloten statt. Bevor mit dem eigentlichen Unterricht begonnen werden kann, steht viel Organisatorisches auf dem Plan. Am Ende der zweiten Stunde kommen die Paten in die Klasse, um mit den Kindern zu frühstücken und sie dann auf den Schulhof zu begleiten.
Schwerpunkt der zweiten Hälfte dieses Schultages ist das Vertrautmachen mit den Gebäuden der Domschule sowie in der vierten Stunde ein Orientierungsgang „Rund um die Schule“, bei dem alle Wege, die die Schüler außerhalb des Schulgeländes häufiger gehen, gemeinsam gegangen werden. Von den Paten werden die Fünftklässler schließlich am Ende der vierten Stunde zu ihren Bushaltestellen begleitet.

Am dritten Tag steht zunächst das Verteilen der Schulbücher auf dem Plan. Auch dabei unterstützen die Paten die Klassenlehrer, denn die Kleinen sind häufig überfordert mit dem Eintrag in Listen, der Beschriftung der Bücher usw. Im Anschluss an die wiederum mit den Paten verbrachte Pause ist nun eine erste Einheit des Methodencurriculums für Jahrgang 5 – „Das Lernen lernen“ – vorgesehen. Meistens ist es das Thema „Wie gestalte ich meinen Arbeitsplatz?“, eine grundlegende Voraussetzung, um effektiv lernen zu können. Auch an diesem Tag endet der Unterricht nach der vierten Stunde.
Vom vierten Tag an läuft der Stundenplan nach Plan und in der Regel beginnen die Kleinen hochmotiviert, endlich „richtig“ zu arbeiten. Wie viel sie während der ersten Tage aufgenommen und verarbeitet haben, ist ihnen kaum bewusst.


Der „Durchblicker“

Der „Durchblicker“ ist ein kleines, von der Domschule erstelltes Heft, das den Fünftklässlern und ihren Eltern „Durchblick“ verschaffen soll. Nicht alles kann während der ersten Tage geklärt werden. Damit sich die Kinder und ihre Eltern zu Hause noch einmal in Ruhe mit einigen Dingen vertraut machen können, haben wir in diesem Heft Informationen und Wichtiges zusammengestellt. So finden sich die Namen der Klassenlehrer, ein Lageplan der Schule, Fotos und Sprechzeiten der Schulsozialarbeiter sowie der Beratungslehrer und des Sekretariates, es gibt einen Überblick über Wissenswertes aus dem Alltag der Domschule usw. Was man vergessen hat, kann nachgelesen werden. Das gibt Sicherheit.


Kennenlerntage in Salzbergen

Nach dieser Einstiegsphase findet für ca. 6 Wochen regulärer Unterricht statt, bevor die Kinder ein besonderes Erlebnis erwartet. Für 1 ½ Tage fährt jede 5. Klasse zu Kennenlerntagen nach Salzbergen. Das ist ein großes Ereignis, ist es doch verbunden mit einer knapp einstündigen Bahnfahrt und einer Übernachtung. Die Zeit in Salzbergen wird gestaltet vom Klassenlehrerteam: Kennenlernspiele und der Besuch eines Feuerwehrmuseums sind die Hauptprogrammpunkte. Mit diesen Kennenlerntagen verbinden wir die Erwartung, dass die Kinder noch einmal außerhalb der Schule viel Zeit miteinander verbringen. Während der vergangenen Wochen sind vorsichtige Freundschaften entstanden, die nun durch diese gemeinsamen Erlebnisse und die miteinander verbrachte Zeit gefestigt werde. Eine Chance für die Kinder, sich noch einmal auf ganz andere Weise zu begegnen.


Einbeziehung der Eltern

Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist uns ein besonderes Anliegen, verstehen wir uns doch als Erziehungsgemeinschaft zwischen Schule und Elternhaus. Nur im vertrauensvollen und ergänzenden Umgang miteinander kann es gelingen, jedem Kind individuell die bestmögliche Förderung zukommen zu lassen.
So gibt es bereits etwa zwei Wochen nach der Einschulung einen ersten Elternabend, auf dem viele bisher aufgetauchte Fragen geklärt werden können. Die in der Klasse unterrichtenden Lehrer, die Schulsozialarbeiter, Elternvertreter, die Leiterin der Gesunden Pause, die Indienhilfe – das soziale Projekt der Domschule – und der Förderverein stellen sich bei einem gemeinsamen Beginn aller Klassen vor, sodass die Eltern hier vielen Personen begegnen, die im Schulalltag wichtige Aufgaben haben.


Der Übergang im Unterricht

Da die SchülerInnen der 5. Klassen aus so vielen verschiedenen Grundschulen kommen, sind die Leistungen und die erlernten Arbeitsweisen sehr unterschiedlich. Daher liegt ein Schwerpunkt im Unterricht des ersten Halbjahres von Klasse 5 darin, einen Überblick über die Leistungsstände der Schüler zu gewinnen. Dazu werden Online-Diagnose-Angebote eingesetzt.
Da wir Oberschule sind, haben wir den Umgang mit der Heterogenität der Schüler zu unserer Aufgabe gemacht. Dazu braucht man Zeit. Um mehr Zeit für die individuelle Förderung der Schüler zu haben, gibt es einen verbindlichen Ganztag ab Klasse 5 mit drei Stunden selbstgesteuertem Lernen (SLZ), in denen der Lehrer individuell mit Schülern arbeiten kann, während die anderen in ihren Arbeitsmappen mit den Übungsaufgaben oder einem Wochenplan fortsetzen. Auch das Methodenlernen zum „Lernen lernen“ wird während dieser Stunden durchgeführt.
In den pädagogischen Konferenzen, die kurz nach den Herbstferien stattfinden, die den folgenden Elternsprechtag vorbereiten, werden die Beobachtungen und Eindrücke aller in der jeweiligen Klasse unterrichtenden Kollegen in den ILE-Bögen zusammengetragen, sodass ein umfassendes Bild über jeden Schüler entsteht.


Fazit

Wenn man die einzelnen Schritte der Einschulung betrachtet, mag man den Eindruck gewinnen, es gehe viel um das „Drumherum“. Dieser Eindruck ist richtig, und wir haben festgestellt, dass es sich lohnt, der Einstiegsphase in die Schule viel Aufmerksamkeit zu widmen, denn die Klassengemeinschaft, die so entsteht, ist das Fundament und der „rote Faden“, der den Schülern auch in den höheren Klassen immer wieder einen Rahmen und Sicherheit bietet. Beides ist wichtig, um erfolgreich lernen zu können.

Domschule Osnabrück

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