Ein Besuch bei Pater Franklin in Bhopal

Die Koffer vollgepackt mit Gummibärchen, Bunt- und Filzstiften, Luftballons – und außerdem einer Menge Briefen von Schülern – so starteten wir etwas aufgeregt am ersten Sonntag der Herbstferien von Frankfurt aus über Neu Delhi nach Bhopal, um dort Pater Franklin und seine Kinder zu besuchen. Mit mir reiste Herr Alexander Nümann aus Osnabrück, ebenfalls ein großer Unterstützer von Pater Franklin.

Schon gleich bei unserer Ankunft wurden wir, obwohl es noch sehr früh am Morgen war, auf das herzlichste von einer Delegation aus Priestern, Schwestern und auch Schülerinnen und Schülern empfangen. Dieses herzliche Ritual, bestehend aus Waschung der Hände, Setzen eines farbigen Punktes für Glück, Segen und Willkommen auf die Stirn, Bewerfen mit frischen Blütenblättern und schließlich dem Umhängen mindestens einer Blumengirlande sollte uns in den nächsten Tagen noch sehr häufig begegnen.

Während der kommenden fünf Tage zeigte uns Pater Franklin seine Kindergärten, Schulen und die Kinderheime. Und überall hatten die Kinder großartige Programme für uns vorbereitet und sangen, tanzten, machten kleine Theateraufführungen für uns und waren unglaublich herzlich. Uns hat es sehr beeindruckt, mit wie viel Eifer und Begeisterung die Kinder uns die Ergebnisse ihrer Arbeit zeigten. Und wenn man dann bedenkt, dass keines dieser Kinder die Möglichkeit Zum Tanzen, Singen oder Lernen gehabt hätte, wenn Pater Franklin sie nicht aufgenommen hätte, wird einem bewusst, was für ein großes Werk dieser Mann geleistet hat.

Besonders beeindruckt haben uns zwei Ereignisse:

In der Nähschule durften wir etwa 60 Näherinnen ihre Zertifikate für die abgeschlossene Ausbildung überreichen. Das war ein besonderer Tag für sie, denn durch diese Ausbildung und durch die Nähmaschine, die jede zum Abschluss erhält, können die Frauen und Mädchen nun selbstständig ihren Lebensunterhalt verdienen oder zum Familieneinkommen beitragen. Die Freude darüber war deutlich spürbar.

Am vorletzten Tag unseres Besuchs durften wir nach einem festlichen Programm mit vielen Schülerbeiträgen die Ausstellung der Ergebnisse einer Projektwoche zum Thema „ Technische Entdeckungen“ eröffnen. Licht ohne öffentliches Stromnetz, Anlegen von Wasservorräten, Modelle zur Energieersparnis usw. wurden hervorragend präsentiert und erklärt. Die zukunftsweisenden Ideen der Schülerinnen und Schülern und auch die selbstbewussten und detailgetreuen Präsentationen – in der Regel erstellt aus Abfällen, die kreativ eingesetzt wurden – haben uns beeindruckt. Übrigens auch diese Schule in Bhopal hat genau wie wir das erklärte Ziel, sich gegen Rassismus und Ausgrenzung einzusetzen.

Ein Besuch in der Lepra-Station oder in der Kolonie der ehemals Leibeigenen, bei der Ärztin Dr. Ritu, die unermüdlich Pater Franklins Kranke versorgt oder auch im Kindergarten „Tiny Tods“, der ersten Station der Kinder, haben uns sehr bewegt und gezeigt, wie das gespendete Geld eingesetzt wird.

Die Lebensweise der Kinder bei Pater Franklin ist sehr einfach und trotzdem sind alle Kinder glücklich, fröhlich und begeistert. Alle Menschen dort begegneten uns mit unglaublicher Wärme und Herzlichkeit und vor allem auch Dankbarkeit. Immer wieder erwähnte Pater Franklin in seinen Ansprachen sehr deutlich, dass alles, was er den Kindern anbieten kann, nur durch die Spenden aus Deutschland, von der Indienhilfe möglich ist. Es ist gut zu sehen, dass unsere Hilfe dort ganz direkt ankommt. Durch unser Geld und gleichzeitig durch die gute Arbeit der Menschen in Bhopal kann so vielen Kindern geholfen und eine Perspektive gegeben werden.

Auch hier gilt unser Dank allen, die sich immer wieder für Pater Franklins Arbeit einsetzen und ihn unterstützen.

Sabine Müller


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Domschule Osnabrück

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