Besuch von Inessa Goldman

Im Rahmen der Aktion „Zusammen gegen Antisemitismus“ besuchte Frau Inessa Goldman, Koordinatorin des Vereins „Judentum begreifen e.V.“ und Mitglied der jüdischen Gemeinde in Osnabrück, am 27.01.2020 unsere Schule und stellte den Schülern der 10. Klassen sehr eindrucksvoll die Lebensgeschichte eines ehemaligen Zwangsarbeiters aus der Ukraine vor.

Mortko Jazovitskij, so der Name des Zeitzeugen, wurde 1926 in einem kleinen Dorf in der Ukraine geboren und war der älteste von vier Söhnen.

Als die Wehrmacht 1941 die Sowjetunion überfiel, wollte seine Familie fliehen, wurde aber unterwegs aufgehalten. Alle Juden wurden in ein Arbeitslager interniert und zur Zwangsarbeit in Fabriken und auf die Felder geschickt. Das Lager war umzäunt und wurde von Deutschen und Ukrainern bewacht. Die Lebensbedingungen waren schlecht und viele Menschen starben an Typhus.

Auf dem Weg in ein anderes Ghetto mussten Herr Jazovitskij und seine Mutter mit ansehen, wie die beiden jüngeren Brüder von den Polizisten erschossen und mit einem Gewehrkolben getötet wurden. Sie waren erst 5 und 3 Jahre alt!

Mortko, seine Mutter und ein Bruder, der überlebt hatte, kamen in eine Kolchose mit einer Schweinezucht, wo sie sehr schwer arbeiten mussten und nur wenig zu essen bekamen.

Wenn ein Schwein starb, wurde sein Hirte sofort erschossen. Viele Leute starben an Hunger, andere wurden zu einem Fluss gebracht und dort getötet.

Kurz vor der Befreiung durch sowjetische Truppen wurden alle in Baracken eingeschlossen und sollten verbrannt werden.

Von den ehemals 1.500 Menschen aus dem Dorf waren nur noch 300 Menschen am Leben!

Wir danken Frau Goldman ganz herzlich dafür, dass sie uns die Lebensgeschichte von Herrn Mortko Jazovitskij erzählt und uns damit noch einmal das schwere Schicksal der Juden während des 2. Weltkrieges vor Augen geführt hat.

Die Geschichte des Holocaust ist auch in ihrer Familie präsent. Ihr Großvater, ihre Urgroßmutter und 40 andere Verwandte sind während des Krieges im Ghetto umgekommen. Ihr Vater war als Armeejournalist bei der Befreiung von Ausschwitz dabei.

Das Projekt „Judentum begreifen“ versteht sich als Hilfe und Unterstützung zur Abwehr offener und latenter Formen von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft, denn Rechtsextremismus und Antisemitismus haben nach wie vor einen Nährboden.

„Wenn wir vor den Schülern authentisch als ihre jüdischen Nachbarn erscheinen und über unsere Kultur und Religion erzählen, dann leisten wir einen präventiven Beitrag gegen Antisemitismus“. (Zitat Frau Goldman)