Lernpartner

Die Lernpartnerschaft zwischen der Domschule Osnabrück und dem Logistikunternehmen Hellmann

[vorgestellt von Dr. W. Scheffczik]

1. Allgemeines

Seit nunmehr 2004 besteht die Lernpartnerschaft zwischen der Firma Hellmann und der Domschule Osnabrück. In diesem Zusammenhang sind beachtliche Ergebnisse im Rahmen des Wahlpflichtkurses Wirtschaft von den Schülerinnen und Schülern der Domschule erzielt worden.

Insgesamt kann die Lernpartnerschaft, die in dieser umfassenden Form erstmals in Osnabrück durchgeführt wurde, positiv bewertet werden. Die Schülerinnen und Schüler gewinnen nicht nur einen Überblick über ein weltweit agierendes Logistikunternehmen, sondern lernen auch interessante, vielseitige und zukunftsfähige Berufsfelder kennen, die ihnen vorher unbekannt sind. Ferner werden von den Schülern eigenständig bestimmte Projekte in Angriff genommen, die den Aspekt der Nachhaltigkeit zum Inhalt haben (zu den Berufsbildern siehe 2.1, zu den Projekten siehe 2.2).

Prof. Dr. Lohmeier, Koordinator der Lernpartnerschaft bei Hellmann, fügt in diesem Zusammenhang an: „Ziel der Lernpartnerschaft ist es auch, über bestimmte Aktivitäten zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Schülerschaft zu gewinnen, die das Unternehmen effizient und mit innovativen Ideen weiter entwickeln. Es wäre zu wünschen, dass auch andere Unternehmen eine Lernpartnerschaft mit Schulen eingehen, um damit nachhaltige Impulse für die Region aus zu lösen.“

Die enge Kooperation von Betrieb und Schule trägt verstärkt dazu bei, dass eine Entfernung von dem theoretischen Ansatz der Unterrichtsinhalte statt findet. Die bisherige Erfahrung im Rahmen der Lernpartnerschaft zeigt, dass u.a. der Lernortwechsel eine besondere Motivation seitens der Lernenden hervorruft. Für die Schülerinnen und Schüler stellt der Betrieb mittlerweile keine „fremde Welt“ mehr dar. Motivierend wirkt auf die Schülerinnen und Schüler zudem, dass die Ergebnispräsentation ihrer durchgeführten Betriebs-, Arbeitsplatzerkundungen sowie die Ergebnisse speziell ausgewählter Schülerprojekte direkt im Logistikunternehmen Hellmann unter der breiten Öffentlichkeit (z.B. Mitinhaber der Firma Klaus Hellmann, Mitarbeiter der Firma Hellman, Presse, Radio, Vertreter der Deutschen Umweltstiftung, Schulleiter, Vertreter der Schulstiftung, Schulrat, Lehrer) erfolgt.

Aspekte der Nachhaltigkeit:

In dem Wahlpflichtkurs Wirtschaft -eine Lernpartnerschaft zwischen der Dom Schule Osnabrück und der Firma Hellmann“- tritt die Dom Schule Osnabrück und das Unternehmen Hellmann in einen Dialog über die Nachhaltigkeit. Die Schüler und Schülerinnen lernen die Firma durch Erkundungen kennen und analysieren beispielsweise im Rahmen der Projektarbeit, inwieweit umwelt- und sozialverträgliche Aspekte in der Firma umgesetzt werden.

Die Motivation für eine Lernpartnerschaft unter Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsaspektes ergibt sich aus schulischer Sicht aus dem Bildungsauftrag der allgemeinbildenden Schulen. Heute sind mehr denn je gesellschaftliche und wirtschaftliche Problemlösungskompetenzen gefordert, die die Domschule in Zusammenarbeit mit einem weltweit agierenden Unternehmen praxisnah aufzeigen und vermitteln möchte.

In einer Bestandsaufnahme seitens der Firma Hellmann heißt es: „Im Rahmen der Lernpartnerschaft können die Schülerinnen und Schüler aus ihrer Sicht und unter Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen der Nachhaltigkeit kritisch und unbefangen das Unternehmen durch die „Agenda-Brille“ betrachten und Anregungen geben […] Engagierte, offenen und kritische Schülerinnen und Schüler, die gemeinsam mit ihren Lehrern und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Thema „Nachhaltigkeit“ im Unternehmen aufgreifen, kritisch hinterfragen und darüber hinaus auch Lösungen erarbeiten oder anbieten, die unser Unternehmen weiter voranbringen und unseren Ansatz, ein auf der Grundlage der „Nachhaltigkeit“ orientiertes Dienstleistungsangebot anzubieten, unterstützen“. (Quelle: Portal Schule Wirtschaft).

2. Betriebsbesichtigungen, Betrieberkundungen und spezielle Projekte

2.1 Betriebsbesichtigungen, Betrieberkundungen:

Ein wesentliches Ziel des Unterrichtsfaches Wirtschaft ist es, die Schülerinnen und Schüler auf die Berufs- und Arbeitswelt vorzubereiten. In diesem Zusammenhang nehmen Betriebsbesichtigungen und Betriebserkundungen sowohl im regulären Unterricht also im Zusammenhang der Lernpartnerschaft einen wesentlichen Stellenwert ein.

Im Rahmen der Lernpartnerschaft werden verschiedene „Berufsbilder im Logistikunternehmen Hellmann“ erkundet. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden selbst, welche Berufsbilder erkundet werden sollen, und ordnen sich entsprechend ihrer Interessen einzelnen Gruppen zu. Beispiele für Gruppen sind:

Gruppe I: IT-Systemkaufmann / frau

Gruppe II: Fachkraft für Lagerwirtschaft

Gruppe III: Berufskraftfahrer / in

Gruppe IV: Diplom Betriebswirt / in

Gruppe V: Kaufmann /-frau für Spedition und Logistikdienstleistung (neue Bezeichnung)

Gruppe VI: IT-Systemelektroniker / in

2.1.1 Tätigkeiten und Zielsetzungen:

Im Zusammenhang der Berufsbilderkundungen aber auch der unten angeführten Projekte (siehe 2.2) arbeiten die Lernenden im Kurs über einen längeren Zeitraum selbständig und selbsttätig im Team, indem sie ausgehend von einer Aufgabenstellung u.a. folgende Tätigkeiten durchführen und verschiedene Zielsetzungen verwirklichen:

 

  • Die Schülerinnen und Schüler sichten z.T. vorab Informationen über das Internet, die im Gehalt reduziert werden.

  • Fragestellungen werden in der Schule vorbereitet und eine Expertenbefragung wird im Unternehmen durchgeführt.

  • Das Auswerten und Bewerten von Informationen gehört mit zu den Aufgabenbereichen der Lernenden.

  • Aufgabenbereiche innerhalb der jeweiligen Gruppe werden verteilt, wobei sich die Schülerinnen und Schüler gleichzeitig bei etwaigen Problemen gegenseitig Hilfestellung geben.

  • Vertiefende bzw. weiterführende Fragestellungen werden in den Phasen des eigenverantwortlichen Lernens von den Kursteilnehmern mit Hilfe der Lehrperson erarbeitet.

  • Vorbereitende Tätigkeiten der Ergebnispräsentation sind Gegenstand des Unterrichts (z.B. die Aneignung der Präsentationstechnik Power-Point).

  • Die Ergebnisse der Betriebserkundung und der unten angeführten Projekte werden vor einer größeren Anzahl von Personen präsentiert, die den Lernenden z.T. unbekannt sind.

  • Die Schülerinnen und Schüler vereinbaren z.B. Termine mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und verfassen u.a. auch Anschreiben an die Firmen, um zusätzliche Informationsmaterialien zu erhalten.

 

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der Wahlpflichtkurs Wirtschaft dazu beiträgt, u.a. folgende Intentionen zu verwirklichen: Die Schüler und Schülerinnen werden in ihrer Kooperationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Kritikfähigkeit aber auch in der Methodenkompetenz geschult. Die Lernenden werden in ihrer Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Sorgfalt sowie Belastbarkeit gefordert und gefördert und erlangen eine Befähigung zur selbstständigen Arbeit.

2.1.2 Ablauf der Erkundung:

Die Betriebserkundung unter dem berufskundlichen Aspekt gliederte sich in folgende Grobschritte:

1. Schritt: Vorbereitung und Durchführung der Betriebserkundung

2. Schritt:Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Präsentation zur Betriebserkundung

Zum 1. Schritt:

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten in ihren einzelnen Gruppen Fragen zu den unten aufgeführten Bereichen. Diese Bereiche lassen sich auf die verschiedensten Arbeitsplätze übertragen und ermöglichen es, die Arbeitsplätze unter gemeinsamen Gesichtspunkten vergleichend zu betrachten.

Die von den Lernenden erstellten Fragen werden dann im nächsten Schritt zu einem Gesamtfragenkatalog zusammengefasst, die den Auszubildenden sowie anderen Betriebsangehörigen der Firma Hellmann in den jeweiligen Kleingruppen am Arbeitsplatz gestellt werden. Um die Möglichkeiten der Berufserkundung möglichst „lebendig“ zu gestalten, werden die Schülerinnen und Schülern auch von Auszubildenden aus den verschiedenen Ausbildungsberufen begleitet.

Nicht von den Auszubildenden beantwortete Fragen können in einer anschließenden Runde von weiteren Mitarbeitern/innen geklärt werden.

Allgemeine Fragen zum 1871 gegründeten Familienunternehmen wie z.B. zur Firmengeschichte, Anzahl/Ort der Niederlassungen, Firmenumsatz, Unternehmensform etc. sind im Fragenkatalog nicht aufgeführt, da diese durch Internetrecherche und im Rahmen eines Einführungsgespräches bzw. im Zusammenhang einer Betriebsbesichtigung vorab geklärt werden können.

Der Fragenkatalog gliedert sich wie folgt, wobei die einzelnen Fragebereiche vorab gemeinsam mit den Lernenden anhand einfacher Beispiele erarbeitet werden.

I. Allgemeine Fragen zur Person / Ausbildung

II. Fragen zu den Zukunftsperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten

III. Fragen zur Arbeitsaufgabe

IV. Fragen zum Arbeitsablauf

V. Fragen zu den Arbeitsmitteln

VI. Fragen zum Arbeitsergebnis

VII. Fragen zu den Umgebungseinflüssen

Die Erkundungsfragen können hier (PDF-Format) eingesehen werden.

Zum 2. Schritt:

Die sich anschließende Phase hat u.a. die Aufbreitung der Erkundungsergebnisse zum Gegenstand. Die Schülerinnen und Schüler entschließen sich beispielsweise ihre Erkundungsergebnisse mittels der Power-Point-Präsentation oder der Plakatpräsentation den Betriebsangehörigen der Firma Hellmann vorzustellen.

In diesem Zusammenhang werden zunächst bei Bedarf grundlegende Kenntnisse der Präsentationstechnik Power-Point oder Kriterien der Plakatpräsentation in der Schule erarbeitet und ggf. durch eine weiterführende Schulung in den Räumlichkeiten der Firma Hellmann ergänzt. Auch hierbei werden die Schülerinnen und Schüler u.a. von Auszubildenden in der Firma unterstützt.

Das „freie Vortragen“ von Informationen und Ergebnissen begleitet bereits vorab den gesamten Verlauf des Wahlpflichtkurses Wirtschaft. Den Abschluss bildete das Vortragen der Erkundungsergebnisse in der Firma Hellmann unter Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der abschließenden Reflexion in der Schule.

Stefan Wimmer, Personalleiter bei der Firma Hellmann, betont die positiven Auswirkungen im Zusammenhang der Betriebserkundung sowie der einzelnen Projekte. „Die offenen und teilweise auch kritischen Anmerkungen, die von den Schülerinnen und Schüler vorgetragen werden, zeigen ein großes Interesse an einer beruflichen Tätigkeit in einem Logistikunternehmen und so ergibt sich über die Lernpartnerschaft die gute Gelegenheit, junge und leistungsorientierte Menschen für unser Unternehmen zu gewinnen“.

Eine Power-Point-Präsentation zum Thema Fachkraft für Lagerlogistik kann an dieser Stelle beispielhaft eingesehen werden. >mehr

2.2 Spezielle Projekte:

Allgemeines:

Nachdem die Schüler der Domschule Betriebsbesichtigungen, Betriebserkundungen und Arbeitsplatzerkundungen in der Firma Helmmann durchgeführt haben, greifen die Lernenden in der zweiten Lern- und Erfahrungsphase in Gruppenarbeit eigenständig unternehmensspezifische Themen auf. Diese beziehen sich u.a. auf soziale, ökonomische und ökologische Aspekte des Unternehmens.

Dazu werden Arbeitsgruppen gebildet, die dann weitgehend selbständig, jedoch mit Unterstützung der Lehrperson, bestimmte Projektthemen definieren, das methodische Vorgehen festlegen, die Ergebnisse diskutieren und zusammenstellen.

In der Projektarbeit werden u.a. von den Lernenden eigene Literatur- und Internetrecherchen durchgeführt, Fragen erarbeitet, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma Hellmann interviewt, die Ergebnisse dokumentiert, kritisch hinterfragt, in eine präsentationsfähige Form gebracht und die Ergebnisse in der Firma präsentiert. Eine abschließende Bewertung der Projekte findet in der Schule statt.

Projektbeispiele:

Es sind u.a. folgende Themenbereiche im Rahmen der Schülerprojekte entstanden und bearbeitet:

 

  • Kommunikationswege im Unternehmen Hellmann und in der Domschule

  • Wie bekannt ist Hellmann in der Öffentlichkeit?

  • Energieaufwendungen und erneuerbare Energien

  • Aufbau und Lebenszyklus einer Autobatterie sowie Einsatz in der Firma (LKW, Gabelstapler)

  • Umweltschutz in der Firma Hellmann am Beispiel Papier

  • Soziale Verantwortung am Beispiel der Kinderbetreuung

  • Soziale Verantwortung am Beispiel Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

  • Soziale Verantwortung am Beispiel Lärm

  • Aufbau- und Ablauforganisation der Firma Hellmann und der Domschule

  • Erstellen einer Aufbau- und optimierten Ablauforganisation der Fahrradwerkstatt der Domschule

 

Beispiele für Power-Point-Präsentationen zu den verschiedenen Projektergebnissen können hier eingesehen werden:

Gesamtpräsentation zum Thema soziale Verantwortung (inkl. Umweltschutz am Beispiel Papier)

Mitinhaber und Geschäftsführer Klaus Hellmann sowie Prof. Dr. Gerhard Lohmeier, Umweltberater und Koordinator der Lernpartnerschaft im Unternehmen, äußern sich bezüglich des Projektverlaufs sehr positiv. Ihr Fazit, „dass die Schülerinnen und Schüler auch kritisch hinter die Kulissen geschaut haben und im Zusammenhang der Projektthemen intensive Nachfragen hatten“, bestätigen ihre Überzeugung, dass die Jugendlichen insgesamt „hoch motiviert, kritisch und umweltbewusst sind“.

Hohen praktischen Nutzen für die Schüler sieht Klaus Hellmann auch unter anderem im Bereich der Präsentation, da die Kursteilnehmer die Ergebnisse ihrer Arbeiten im Unternehmen vorstellten. „Hier können sie einen wichtigen Vorsprung gegenüber denjenigen erarbeiten, die nicht an einem solchen Projekt teilnehmen.“ Gleichzeitig ziehe aber auch das Unternehmen einen Nutzen aus dem Projekt. „Für uns ist wichtig zu erfahren, wie uns Jugendliche sehen.“

Abschließend ist anzuführen: Es ist wichtig, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler bereits in einer frühen Lebensphase auch mit komplexen Sachverhalten im Rahmen der Projektarbeit auseinander setzen und dazu umfassend Stellung nehmen. Das schult u.a. ihre Kritikfähigkeit, Selbstorganisation, Sprach- und Kommunikationsfähigkeit und bereitet sie optimal auf ihre derzeitige und zukünftige Lebenswelt vor.

Filmprojekt:

Neben der regulären Projektarbeit beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler auch u.a. mit Filmprojekten. Ein Beispiel für ein Filmprojekt ist der Schüler-Filmwettbewerb zur Berufsorientierung, welcher vom „Osnabrücker Institut für Training und Kommunikation“ begleitet wird. In Zusammenarbeit mit dem Institut werden den Teilnehmern u.a. Grundlagen der Film- und Interviewtechnik (z.B. Drehbuchschreiben, Aspekte der Kameraführung, Formen der Interviewgestaltung, Filmschnitttechniken) vermittelt.

In diesem Zusammenhang erhielt ein Schüler der Domschule in der Pilotphase einen Preis für die beste Moderation.

Die einzelnen Videos zu den folgenden Berufsbildern können durch Anklicken der Berufsbezeichnung angeschaut werden.

Fachinformatiker

Stahlbetonbauer

Ferner ist ein Film zum Thema „Moderne Arbeitswelten“ im Rahmen der Lernpartnerschaft entstanden.

Film ansehen (mp4)

3. Einige Momentaufnahmen seit Beginn der Lernpartnerschaft